Agrar- und Ernährungswirtschaft

Sonnenblumenfeld bei der Ernte Bild vergrößern Sonnenblumenfeld bei der Ernte (© CLAAS Argentina)

Stand: Februar 2017

Die Landwirtschaft spielt in Argentinien traditionell eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Dessen ist sich auch die Regierung unter StP Macri bewusst. Daher leitete sie gleich nach Amtsantritt eine grundlegende Kehrtwende in der Agrarpolitik ein. Sie hob die bestehenden Exportquoten für Agrarprodukte auf und schaffte nahezu alle Ausfuhrabgaben auf landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dies hatte zunächst einen Anstieg der Getreide- und Sojaexporte ausgelöst und einen Einkommensanstieg sowie einen Investitionsschub in die Landwirtschaft bewirkt.

Anfang 2017 leitete StP Macri mit einem speziellen Programm die zweite Phase zur Stärkung der Land- und Ernährungswirtschaft. Das Programm mit einem Umfang von rd. 430 Millionen EUR sieht die Einführung von Ausfuhrerstattungen vor, die Einrichtung eines neuen Agrarinvestitionsfonds sowie Maßnahmen zur Verbesserung der argentinischen Ernährungswirtschaft.

Ziel der Regierung ist es, Argentiniens Landwirtschaft von einem überwiegenden Rohstofflieferanten hin zu einem Versorger hochwertiger Nahrungsmittel zu entwickeln. Das Programm soll vor allem in den ländlichen Räumen zusätzliche Einkommen und Arbeitsplätze schaffen. Auf diese Weise soll die Land- und Ernährungswirtschaft einen spürbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung des Landes leisten.

Argentiniens Landwirtschaft ist außerordentlich exportorientiert. Rund 60 Prozent der gesamten Ausfuhren werden in der Landwirtschaft erzeugt. Weltweit rangiert Argentinien als der elftgrößte Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Rein rechnerisch kann die Landwirtschaft Argentiniens mit ihrer Produktion rund 400 Mio. Menschen ernähren.

Von allen Produktionszweigen ist die Sojabohne die mit Abstand wichtigste Anbaukultur. Sie wird auf rd. 60% der Ackerbaufläche angebaut. Dabei überwiegt das Direktsaatverfahren (Daten für 2016/17 : ca. 20 Mio. ha, voraussichtliche Erntemenge ca. 54 Mio. Tonnen). Soja ist zudem auch das wichtigste Exportprodukt des Landes. Sie wird insbesondere als proteinhaltiges Futtermittel weltweit nachgefragt. Außerdem gehört Argentinien neben Brasilien zu den wichtigsten Lieferanten von Sojaschrot/mehl und -öl. Biodiesel produziert das Land auch aus Sojaöl.

Getreidekulturen, vor allem Mais (2015/16: 35 Mio. t) und Weizen (2015/16: 11 Mio. t) sind ebenfalls von wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Die Gesamtmenge der Getreide- und Ölsaatenernte wird in 2015/16 auf etwa 108 Mio. Tonnen geschätzt, was einem Rückgang ggü. dem Vorjahr von rd. 12 % entspricht. Das ist im Mehrjahresvergleich eine eher unterdurchschnittliche Ernte, die vor allem wegen ungünstiger Witterungsbedingungen so niedrig ausfiel. Argentinien gehört neben den USA und Brasilien dennoch nach wie vor zu den weltweit größten Maisexporteuren. Im Weizenhandel hat Argentinien auch aufgrund der von der Regierung geschaffenen günstigen Voraussetzungen begonnen, ihre unter der Vorgängerregierung verlorenen Marktanteile im Weizenexport wieder zurückzuerobern.

Die Rindfleischerzeugung profitiert ebenfalls von der Neuausrichtung der Agrarpolitik. Erste Daten der Bestandzahlen deuten auf eine spürbare Belebung. Die von der neuen Regierung eingeführten Ausfuhrerstattungen sollen dazu beitragen, die Rindfleischexporte zu beflügeln. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Export des heimischen Rindfleischs mittel- bis langfristige zu verzehnfachen, von derzeit 1.1 Mrd. US$ auf 10,5 Mrd. US$ in 2025.

In der Milcherzeugung sowie Schweine- und Geflügelproduktion ist Argentinien auf den internationalen Märkten gegenwärtig allerdings noch nicht wettbewerbsfähig. Diese Produktionszweige sind die Sorgenkinder von Agrarminister Buryaile - und werden es auf absehbare Zeit bleiben. Wesentlicher Grund dafür sind vor allem strukturelle Probleme. Um diese zu überwinden, sind umfangreiche Investitionen erforderlich, die der Sektor auf dem aktuellen Stand von sich aus nicht erwirtschaften kann und daher auf Fremdinvestitionen angewiesen sein wird.

Darüber hinaus sind Fischereierzeugnisse sowie Obst und Wein sowohl in der Erzeugung als auch im Export für das Land von Bedeutung.

Erwähnenswert ist, dass die neue argentinische Regierung sich auch auf internationaler Ebene aktiv einbringt. StS Marisa Bircher hat Anfang des Jahres in Vertretung von Agrarminister Ricardo Buryaile am G20-Agrarministertreffen in Berlin, am Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2017 sowie an der 9. Berliner Welternährungskonferenz in Berlin teilgenommen. Darüber hinaus unterzeichnete sie ein bilaterales Arbeitsprogramm mit acht Schwerpunkten (u.a. Nachhaltige Landwirtschaft, Tierwohl, Bioökonomie, Anbau nicht-gentechnisch veränderter Ackerkulturen) zwischen dem deutschen und argentinischen Landwirtschaftsministerium.

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